Warum die Rede vom „Russen vor der Tür“ mich nicht beunruhigt – eine Analyse Ich bin 1957 geboren. Der Kalte Krieg war kein historisches Kapitel, sondern der atmosphärische Grundton meiner Kindheit und Jugend. Zwei rote Knöpfe, Ost und West, ein ständig wachsendes Arsenal an Atomwaffen, ausreichend, um die Erde mehrfach zu entvölkern. Diese Bedrohung war kein Szenario, sondern Alltag. Wer in dieser Zeit aufgewachsen ist, musste lernen, damit zu leben – oder daran zu zerbrechen. Die meisten von uns haben gelernt, sie zu kapseln . Wenn heute politische Führung von „härteren Zeiten“ spricht und dies unter anderem damit begründet, dass „der Russe vor der Tür steht“, löst das bei mir keine Unruhe aus. Das ist weniger Ausdruck von Gelassenheit als Ergebnis einer lebenslangen Konditionierung . Ich erkenne das Muster. Die entscheidende Frage ist für mich daher nicht, ob eine Bedrohung existiert, sondern welche Funktion diese Rhetorik erfüllt . Außenbedrohung als innenpolitisches Instrume...