Es gab einmal eine sehr einfache Form der Zuneigung: das Mixtape. Man saß vor dem Kassettenrekorder, drückte im richtigen Moment auf „Rec“, hoffte, dass der Moderator nicht in die letzten Sekunden hineinredete, und stellte eine kleine Sammlung von Liedern zusammen. Diese Auswahl erzählte immer eine Geschichte – manchmal offen, manchmal nur zwischen den Zeilen. Die Technik änderte sich später. Aus dem Mixtape wurde die gebrannte CD, dann die Playlist im Streamingdienst. Der soziale Mechanismus blieb jedoch gleich: Jemandem Musik schenken bedeutet, ihm eine kuratierte Auswahl zu geben – eine Stimmung, eine Erinnerung, eine kleine Reise. Mit generativer KI entsteht nun eine neue Variante dieses Rituals. Man wählt nicht mehr nur aus vorhandener Musik aus, sondern kann Musik erschaffen, die genau zu einer Idee passt. Das klingt für manche zunächst wie ein weiteres Beispiel für das, was derzeit gern pauschal als „AI Slop“ bezeichnet wird – also massenhaft erzeugter, belangloser Inhalt. ...
Geschlechtliche Statusasymmetrien in der westlichen Kleiderordnung Eine strukturtheoretische Analyse Abstract Der Beitrag untersucht geschlechtercodierte Kleidung in westlichen Gesellschaften als symbolisches Statussystem. Ausgangspunkt ist die Beobachtung einer asymmetrischen Grenzüberschreitung: Während Frauen seit dem 20. Jahrhundert zunehmend ehemals männlich konnotierte Kleidung ohne nachhaltige Sanktion tragen können, bleibt die Aneignung weiblich konnotierter Kleidung durch Männer gesellschaftlich stark markiert. Der Artikel argumentiert, dass diese Asymmetrie auf eine fortbestehende hierarchische Codierung von Weiblichkeit verweist. Misogynie wird dabei nicht als individuelles Ressentiment, sondern als strukturelles Sanktionsprinzip verstanden, das symbolische Geschlechterordnungen stabilisiert. 1. Einleitung: Beobachtbare Asymmetrien In westlichen Gesellschaften ist seit dem 20. Jahrhundert eine sukzessive Angleichung weiblicher Kleidungspraktiken an vormals männli...