Immanenz, Bedeutung und der denkende Dialog mit einer Maschine Es beginnt mit einer scheinbar einfachen Beobachtung: Sprache ist ein Modell der Wirklichkeit. Sie bildet nicht die Welt ab, sondern strukturiert sie – selektiv, perspektivisch, kulturell geprägt. Wer spricht, greift bereits auf ein abstrahiertes System zurück. Wenn man diesen Gedanken weiterführt, landet man fast zwangsläufig bei einer irritierenden Konsequenz: Ein Sprachmodell ist dann kein Modell der Welt, sondern ein Modell eines Modells – genauer gesagt: ein System, das die Muster erlernt hat, mit denen Menschen ihre Welt beschreiben. Und plötzlich verschiebt sich der Fokus. Bedeutung: kein Inhalt, sondern ein Ereignis Die klassische Frage „Was ist Bedeutung?“ lässt sich nicht mehr zufriedenstellend mit Semantik beantworten. Worte tragen keine Bedeutung wie Behälter ihren Inhalt. Bedeutung entsteht nicht im Wort. Und auch nicht allein im Kopf des Lesenden. Sie entsteht im Vollzug. Wenn ein Text gelesen wird, pass...
Kleine Lösungen (fast) alltägliche Geschichten von Rolf Eustergerling Die erste Geschichte ist eine essayistische Zusammenfassung des Theaterstücks „Martina“ das bei der Theaterbörse erhältlich ist. Martina Prolog – Das leere Sofa Das Sofa war das Einzige, was geblieben war. Ein graues, müdes Möbelstück, das so aussah, als hätte es selbst eine Krise hinter sich. Wenn Hans Marten darauf saß, senkte sich die linke Seite tiefer, als es der Statik guttat, und man hatte den Eindruck, als nicke das Sofa ihm teilnahmsvoll zu. Zwei Arbeitslose, die einander verstanden. Auf dem Couchtisch lag ein Brief. Absender: das Gloria Theater. Absender der letzten Hoffnung. Hans starrte ihn an, als wäre darin ein Zauber verborgen, der sein Leben wieder aufrichten könnte. Doch was immer in diesem Umschlag lag – es war kein Wunder, sondern Verwaltung. „ Lieber Hans, sicher hast du mitbekommen, dass das Glori...