Existenz ohne Wahrnehmung ist kein Sein – sondern ein Kategorienfehler
Oft hört man das scheinbar selbstverständliche Argument:
„Das Universum existiert doch auch dann, wenn niemand da ist, um es wahrzunehmen.“
Was dabei übersehen wird, ist, dass diese Aussage bereits das voraussetzt, was sie zu beweisen vorgibt: ein erkennendes Subjekt.
Denn ein „Universum, das niemand wahrnimmt“, kann nur gedacht werden, indem es gerade wahrgenommen wird – nämlich von dem, der es denkt. Wer behauptet, es existiere unbeobachtet, hat sich selbst bereits als metaphysischen Beobachter eingesetzt.
Das ist kein sprachliches Paradox, sondern eine ontologische Schranke.
Ein hilfreicher Vergleich ist Blindheit.
Blindheit bedeutet nicht, „schwarz zu sehen“. Schwarz ist eine Farbe – also bereits Wahrnehmung. Blindheit ist vielmehr das, was du hinter dir siehst, wenn du nach vorne schaust: keine Wahrnehmungskategorie überhaupt. Nicht Dunkelheit, sondern Abwesenheit von Sichtbarkeit.
Genauso verhält es sich mit einem Universum ohne Bewusstsein.
Es wäre kein dunkles, leeres oder stilles Universum – das wären alles noch Beschreibungen innerhalb eines Wahrnehmungsraums. Ein Universum ohne Erkenntnisinstanz wäre nicht „nichts Sichtbares“, sondern keine definierbare Wirklichkeit. Es gäbe keine Kategorien wie Raum, Zeit, Ereignis oder Existenz, weil diese Begriffe nur innerhalb eines Systems von Unterscheidungen Sinn haben.
Damit verschiebt sich die Frage grundlegend.
Es geht nicht mehr darum, ob Dinge auch ohne Beobachter stattfinden, sondern ob „Sein“ überhaupt eine Bedeutung hat, wenn es niemanden gibt, für den etwas sein kann.
In diesem Sinn ist Bewusstsein kein Objekt im Universum.
Es ist der Ort, an dem „Universum“ überhaupt erst als etwas Existierendes erscheinen kann.
Ein unbeobachtetes Universum wäre kein verborgenes Universum.
Es wäre kein Universum.
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