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Brian Cox - Eine paraphrasierende Zusammenfassung

 „Diese Zusammenfassung basiert auf dem YouTube-Video Why Going to Mars Is PHYSICALLY IMPOSSIBLE | Brian Cox (Kanal: Brian Cox Cosmos). Sie ist eine eigenständige, paraphrasierende Inhaltsdarstellung und keine Übersetzung des Originals.“ 

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Warum Mars als „nächste Heimat“ eine Illusion sein könnte – eine nüchterne Lesart der Physik

Der Gedanke wirkt fast zwangsläufig: Nach dem Mond kommt Mars. In der öffentlichen Erzählung ist es weniger eine Option als eine kommende Tatsache. Raumfahrtagenturen und private Unternehmen veröffentlichen Pläne, Bilder zeigen Kuppelstädte und punktgenaue Landungen, und die Formulierung „wenn wir auf dem Mars sind“ hat sich bereits in die Alltagssprache geschoben.

Das YouTube-Video, auf dessen Textbasis diese Zusammenfassung beruht, stellt genau diese Selbstverständlichkeit radikal in Frage. Die Kernthese lautet: Menschen werden Mars nicht in dem Sinne erreichen, der mit „Kolonisation“ gemeint ist – also als dauerhaft bewohnbare, wachsende zweite Heimat. Vielleicht werden einzelne Missionen möglich, vielleicht sogar ein symbolischer Fußabdruck. Aber „dort leben“ sei eine andere Kategorie – und die Physik, Biologie und Logistik sprechen dagegen.

Quelle (Original): Why Going to Mars Is PHYSICALLY IMPOSSIBLE | Brian Cox, YouTube-Video auf dem Kanal Brian Cox Cosmos. YouTube+1


1) Die Illusion der Nähe

Mars wirkt am Himmel „nah“ – ein heller, rötlicher Punkt, manchmal auffällig präsent. Das Problem: Unser intuitives Distanzgefühl ist für irdische Maßstäbe gebaut, nicht für interplanetare Dynamik. Der Text kontrastiert deshalb bewusst: Der Mond ist in wenigen Tagen erreichbar, Mars selbst im günstigsten Fenster aber viele Größenordnungen weiter entfernt. Diese Distanz ist nicht nur eine Zahl; sie verändert die gesamte Mission: Rettung, Rückkehr, Versorgung, psychologische Belastung – alles kippt.

2) Man fliegt nicht „direkt“ – man driftet monatelang

Ein zentrales Motiv ist die „Tyrannei“ der Raketenlogik: Wer schneller sein will, braucht mehr Treibstoff; Treibstoff ist Masse; Masse verlangt noch mehr Treibstoff. Deshalb ist der realistische Weg kein heroischer Sprint, sondern eine energiesparende Transferbahn: Man verlässt die Erde mit einem präzisen Impuls und driftet in einer berechneten Bahn um die Sonne – typischerweise über viele Monate.

Und genau dort bricht die romantische Erzählung: Monate in einem engen System, das jeden Atemzug technisch erzwingt. Ein schwerer medizinischer Notfall, ein irreparabler Defekt in Wasser- oder Luftkreisläufen, ein psychischer Zusammenbruch – all das ist nicht „dramatisch“, sondern schlicht existenziell, weil Umkehr und Rettung physikalisch und logistisch nicht wie bei erdnahen Missionen funktionieren.

3) Kommunikation: Wenn die Lichtgeschwindigkeit „zu langsam“ wird

Je weiter man sich von der Erde entfernt, desto mehr wird die Lichtlaufzeit zum operativen Faktor. Im Text ist das kein technisches Detail, sondern eine menschliche Erfahrung: Du kannst nicht mehr „sprechen“, du kannst nur noch Botschaften schicken. Im Notfall sitzt du buchstäblich in deinem eigenen Zeitkorridor: Du meldest ein Problem – und wartest. Diese Verzögerung ist nicht nur sicherheitsrelevant, sie greift auch in das ein, was Menschen psychologisch stabil hält: unmittelbare Resonanz, soziale Rückkopplung, das Gefühl, Teil eines Kollektivs zu sein.

4) Der unsichtbare Gegner: Strahlung als biologisches Limit

Die entscheidende Zuspitzung des Textes liegt bei der Strahlung. Auf der Erde leben wir im Schutz aus Magnetfeld und Atmosphäre. Außerhalb dieses Schutzraums werden hochenergetische Teilchen (Sonnenereignisse und kosmische Strahlung) zu einem dauerhaften Risikofaktor. Abschirmung ist möglich – aber sie bedeutet Masse, und Masse bedeutet wieder Treibstoff und Kosten. Das Video argumentiert, dass hier nicht nur ein „Engineering-Problem“ vorliegt, sondern ein biologisches: Wir sind weiche, wasserbasierte Organismen, evolviert für 1g und irdischen Schutz, nicht für monatelange Exposition in interplanetarem Raum.

(Anmerkung zur Einordnung: Der Text formuliert einzelne Folgen sehr drastisch; als Argumentationsfigur funktioniert das, wissenschaftlich ist die genaue Dosis-/Wirkungsfrage komplex und wird differenziert erforscht.)

5) Mars selbst: Ankunft in einer lebensfeindlichen Betriebsumgebung

Selbst nach einer erfolgreichen Landung – die der Text als extrem riskante Hochgeschwindigkeits-Bremsung in einer „falschen“ Atmosphäre beschreibt – beginnt das nächste Problem: Mars ist keine „zweite Erde“, sondern ein Ort, an dem nahezu jede Umweltvariable gegen menschliches Leben steht.

Im Text werden besonders betont:

  • extrem dünne Atmosphäre (Druck/Atmung)

  • starke Kälte, große Tag-/Nacht-Sprünge

  • UV-Belastung, fehlendes planetarisches Schutzsystem

  • toxischer Staub/Regolith (Perchlorate werden explizit genannt)

  • unbekannte Langzeitfolgen von ~0,38g – inklusive der heikelsten Frage: Fortpflanzung

Damit wird „Kolonisation“ zur semantischen Verschiebung: Was man realistisch baut, ist kein offenes Siedlungsgebiet, sondern ein geschlossenes System – eine technische Blase, in der jeder Systemausfall unmittelbar lebensbedrohlich ist.

6) „Plan B“ als Mythos: Abhängigkeit von der Erde

Der ökonomisch-logistische Teil ist vielleicht der härteste: Eine Marsbasis als Backup-Zivilisation setzt voraus, dass sie unabhängig werden kann. Der Text verneint das grundsätzlich – nicht aus Mangel an Willen, sondern wegen industrieller Komplexität. Moderne Lebens- und Hochtechnologie bestehen aus globalen Lieferketten, Spezialmaschinen, Chemie- und Halbleiterindustrie, Ersatzteilwirtschaft und einer großen, diversifizierten Wissens- und Produktionsbasis. Eine kleine Kolonie kann das nicht replizieren. Wenn kritische Komponenten ausfallen, braucht man Nachschub von der Erde. Fällt dieser Nachschub aus (Politik, Wirtschaft, Krieg, Prioritätenwechsel), bricht das System.

Die Marskolonie wäre damit kein „zweites Zuhause“, sondern – zugespitzt – eine Außenstation am Tropf.

7) Gesellschaftlich: Wenn Luft ein Verwaltungsakt ist

Aus den Randbedingungen leitet der Text eine politische Konsequenz ab: Wo Luft, Wärme und Wasser zentral kontrolliert werden müssen, wird Freiheit strukturell fragil. Dissens, Ineffizienz oder Konflikt sind nicht nur sozial, sondern systemisch gefährlich. Daraus entstünde eher eine strenge Hierarchie als eine „Frontier-Demokratie“. Der Planet wird zum Verstärker: Nicht böser Wille schafft Autoritarismus, sondern der minimale Spielraum des Überlebens.

8) Die Pointe: Mars als Projektionsfläche – und die Erde als eigentliche Mission

Am Ende verschiebt der Text die Frage: Nicht „Können wir?“, sondern „Warum wollen wir?“ Der Mars-Traum sei auch Eskapismus – die Hoffnung, man könne eine beschädigte Erde „verlassen“. Das sei moralisch gefährlich, weil es Verantwortlichkeit untergräbt. Die Gegenbotschaft: Eine ruinierte Erde bleibe immer noch lebensfreundlicher als ein perfekter Tag auf Mars. Wenn wir hier scheitern, werden wir dort erst recht scheitern.

Als Alternative zeichnet der Text eine Zukunft der robotischen Erkundung: Maschinen können Strahlung, Vakuum und lange Reisen besser ertragen und könnten uns Mars „nach Hause“ bringen – als Daten, Bilder, VR-Erfahrungen, Wissenschaft – ohne den Körper als Schwachstelle zu opfern.

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