Geschlechtliche Statusasymmetrien in der westlichen Kleiderordnung Eine strukturtheoretische Analyse Abstract Der Beitrag untersucht geschlechtercodierte Kleidung in westlichen Gesellschaften als symbolisches Statussystem. Ausgangspunkt ist die Beobachtung einer asymmetrischen Grenzüberschreitung: Während Frauen seit dem 20. Jahrhundert zunehmend ehemals männlich konnotierte Kleidung ohne nachhaltige Sanktion tragen können, bleibt die Aneignung weiblich konnotierter Kleidung durch Männer gesellschaftlich stark markiert. Der Artikel argumentiert, dass diese Asymmetrie auf eine fortbestehende hierarchische Codierung von Weiblichkeit verweist. Misogynie wird dabei nicht als individuelles Ressentiment, sondern als strukturelles Sanktionsprinzip verstanden, das symbolische Geschlechterordnungen stabilisiert. 1. Einleitung: Beobachtbare Asymmetrien In westlichen Gesellschaften ist seit dem 20. Jahrhundert eine sukzessive Angleichung weiblicher Kleidungspraktiken an vormals männli...