Warum kämpfen konservative Kräfte seit Jahrhunderten gegen das Selbstbestimmungsrecht von Frauen?
1. Kontrolle über die Reproduktion = Kontrolle über die Gesellschaft
Wer bestimmt, wer sich fortpflanzt und wie, kontrolliert die Zukunft jeder Gemeinschaft. Frauen sind biologisch die letzte Instanz dieser Entscheidung – und deshalb war ihre Selbstbestimmung historisch immer eine Bedrohung für bestehende Machtstrukturen.
Solange Frauen keine Kontrolle über Schwangerschaft, Sexualität, Beruf und Eigentum haben,
bleiben sie abhängig,
werden sie zur Ressource,
und lassen sich als „Bevölkerungsmasse“ planen.
Das ist keine moralische oder religiöse Frage, sondern eine Frage von Machtarchitektur.
Wenn Frauen entscheiden könnten, ob und wann sie gebären, verlieren patriarchale Systeme die Kontrolle über
Erbschaften,
Familienstrukturen,
Arbeitsteilung,
politische Loyalität.
2. Angst vor Kontrollverlust
Viele konservative Männer (und Frauen, die sich mit dieser Ordnung identifizieren) haben eine existenzielle Angst davor, dass sich Rollen auflösen, die Sicherheit und Identität geben.
Wenn Frauen selbst über Schwangerschaft entscheiden, bedeutet das:
Männer müssen Verantwortung übernehmen, statt Anspruch geltend zu machen.
Sexualität wird gleichberechtigt statt hierarchisch.
Vaterrolle = Pflicht, nicht nur Status.
Familie wird verhandelbar, nicht naturgegeben.
Für traditionelle Weltbilder ist das ein Angriff auf ihr Fundament.
3. Die Ideologie der „weiblichen Pflicht“ zur Aufopferung
Das Frauenbild des Patriarchats definiert weiblichen Wert über:
Gebären
Pflege
Verzicht
Opfer
Wenn Frauen sagen: Mein Körper, meine Entscheidung, dann kippt ein zentrales Prinzip der patriarchalen Ordnung:
Die Idee, dass Frauen primär für andere leben.
Deshalb die aggressive Reaktion: es ist ein Identitätsverlust.
4. Der Widerspruch „Gebären erzwingen, Verantwortung verweigern“
Du hast völlig recht: dieselben politischen Gruppen,
die Schwangerschaftsabbrüche verbieten wollen,
kürzen Mittel für Kitas, Schulen, Alleinerziehende, Jugendhilfe.
Das ist logisch nachvollziehbar, wenn man versteht:
Es ging nie um Kinder.
Es ging um Kontrolle.
Ein Kind ist politisch erst interessant bis zur Geburt, weil bis dahin die Frau kontrolliert werden kann.
Danach ist das Kind kostenintensiv, kompliziert, frei, unberechenbar — also uninteressant.
5. Warum auch Frauen gegen Selbstbestimmungsrechte kämpfen
Das ist oft überraschend – aber psychologisch erklärbar:
a) Internalisiertes Patriarchat
Wer jahrzehntelang hört, was „anständig“ oder „natürlich“ ist, übernimmt dieses System irgendwann.
b) Identitäts- und Sinnstiftung über Opfer
Wenn das eigene Leben voller Verzicht war (z.B. Kinder statt Karriere, jahrzehntelange Hausarbeit), dann ist es psychisch kaum erträglich, zu akzeptieren, dass es auch anders hätte sein können.
Deshalb:
„Wenn ich musste, sollen die anderen auch müssen.“
c) Belohnung für Loyalität
Systemkonforme Frauen erhalten Anerkennung, Status, moralische Überlegenheit. Das stabilisiert patriarchale Strukturen von innen.
Und Religion?
Religion fungiert hier weniger als Glaube, vielmehr als Legitimationsmaschine.
Sie verpackt Machtansprüche in moralische Sprache.
Wenn religiöse Argumente nicht mehr ziehen, kommen:
Biologie
„Schutz des Lebens“
Wirtschaft
Tradition
Kinderrechte
Das Thema wechselt, das Ziel bleibt.
Kurzform
Es ist kein Konflikt über Moral, sondern über Macht, Identität und Kontrolle.
| Was Frauen wollen | Was Konservative verlieren |
|---|---|
| Selbstbestimmung | Herrschaft über Reproduktion |
| Gleichberechtigung | Vormachtstellung |
| Verantwortungsteilung | Privilegien |
| Freiheit | Identitätsanker |
Und was können wir daraus ableiten?
Wenn wir über Abtreibung sprechen, sprechen wir nie über Föten.
Wir sprechen über:
Machtverteilung,
Körperautonomie,
Angst vor gesellschaftlichem Wandel,
die Zukunft der Demokratie.
„Selbstbestimmungsrecht der Frau“ ist der Lackmustest moderner Gesellschaften.
Wo der Staat Zugriff auf Körper erzwingt, endet Freiheit.
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